
10. Monat und die Geburt
Noch wenige Tage bis sich unser Leben grundlegend ändert. In ein Paar tagen heißt es 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche: Wickeln, Stillen und Baden. Das Schlimmste aber werden die schlaflosen Nächte. Noch aber können wir uns darauf vorbereiten und das Seelisch und Moralisch.
Mein sogenannter „Dauerurlaub“ wird täglich zur Qual. Sitzen, liegen oder stehen werden immer anstrengender. Jede Position tut weh, denn die Kleine liegt 3 Wochen vor Geburtstermin noch immer direkt unter den Rippen und schnürt mir somit weiterhin die Luft ab. Ihre Tritt und Boxversuche werden zunehmend heftiger und tun nur sehr selten weh. Gott sei Dank lag sie in Beckenendlage (mit dem Po voran). Ich glaube wenn sie gegen die Rippen getreten hätte, wär ich Amok gelaufen!
Ich befand mich in der 35. Schwangerschaftswoche und ich verspürte ab und an wie der Bauch mehrere Male kurzzeitig hart wurde und mir die Luft ebenfalls abschnürte. Laut meiner Hebamme waren das nur Übungswehen. Von Senkwehen aber fehlte jede Spur. Da das Ende langsam aber sicher in Sichtweite rückte, wurde der Gedanke der Geburt wieder lauter. Welche Möglichkeiten der Geburt gab es? Werde ich normal Gebären? Wird dabei etwas Schlimmes passieren? Wie zu Anfang stellten sich viele Fragen, die mich wie so oft in der Schwangerschaft überfordern sollten. Also setzte ich mich, sofern möglich, an meinem Laptop und schlug Google meine Fragen um die Ohren. Ich las von Erfahrungsberichten verschiedener Geburtsvarianten und natürlich Geburtsberichte anderer Mütter. Je mehr ich las, desto weniger wollte ich eine „Normale Geburt“. Diese Woche sollte auch noch ein Termin beim Frauenarzt sein um nochmal fest zustellen welche Möglichkeiten sich für mich ergeben. Das CTG schrieb überdurchschnittliche Werte die für diese Schwangerschaftswoche recht unüblich sind. Keinerlei Wehen waren zu sehen, weder Senk-, Übungs- noch richtige Wehen vernahm das Ding. Dafür war die kleine umso aktiver. Das war für mich das wichtigste. Nach dem CTG ging es zur Hebamme, die die Üblichen Fragen zum Befinden stellte und wissen wollte ob es irgendwelche Fragen bzw. Probleme gab. Dort hab ich meinen Wunsch zum Kaiserschnitt geäußert. Meine Hebamme wollte das irgendwie nicht verstehen und begründete es mit „Es ginge mir ja gut, warum dann ein Kaiserschnitt“. Sie sagte „wir schauen gleich mal wie die kleine liegt und dann können wir nochmal darüber Sprechen“. Gesagt getan es wurde Ultraschall gemacht und siehe da die kleine liegt in Schädellage. Der Kaiserschnitt rückte somit für mich in die Ferne. Dennoch blieb ich bei meinem Wunsch. Kurzer Hand wurde mir eine Überweisung in die Entbindungsklinik zu einem Beratungsgespräch ausgestellt. Einen Termin bekam ich kurzfristig. Dort wurde ich über Risiken einer solchen Bauchoperation aufgeklärt. Die Hoffnung der Ärzte, normal zu Gebären, konnte ich gewiss zerschlagen. Selbst die Frage der Schmerzen danach konnte ich mit einem „Das ist mir lieber“ beantworten. Kurz um wurde ein Termin gemacht und ich bekam einen Tag später, Telefonisch Bescheid. Der 9. Dezember 2010 sollte der Tag sein an dem wir unseren Engel nach 9 Monaten endlich in den Armen halten können. Wie sie wohl aussieht? Nach wem wird sie kommen? Die Freude wird nun endlich größer… Glücksgefühle stellten sich ein. Das letzte Wochenende genossen wir also nochmal als „Paar“. Ich empfand diese Zeit als entspannend und wohltuend. Nun das Wochenende war vorbei und mich erreichte ein Anruf der Klinik. Der Termin muss verschoben werden. Nun ist endgültig der 10. Dezember 2010 Stichtag.
Mit jedem Tag, die der Termin näher rückte wurden wir immer ungeduldiger. Mein Freund fragte immer wieder ob ich wegen des Kaiserschnittes aufgeregt sei. Doch ich konnte das verneinen. Ich war jedoch auf anderer Seite aufgeregt. Ich glaub die wichtigste Frage, die sich eine Frau je im Bezug eines zu erwartendes Kindes stellt, ist die, ob das Kind auch wirklich Gesund ist. Diese Angst aber ist bzw. war völlig unbegründet.
Zwei Tage vor dem Termin war nochmal ein Kontrolltermin mit Ultraschall in der Klinik selbst angesagt. Dort bekamen wir die letzten Maße unserer Kleinen. Sie wurde auf 49 cm Größe und 3500gramm geschätzt. Naja ich dachte schon „Wow was ein Brocken“ gut das ich nicht normal gebären muss. Aber so sei sie, laut der Ärzte, vollkommen Gesund und Munter. Und natürlich wollte man mich auch nochmal versuchen um zu stimmen. Gelang natürlich nicht!
Endlich der 10. Dezember 2010. Der Tag an dem aus Liebe Leben wird. Um 8 Uhr morgens sollten wir in der Klinik sein. Die letzten Sachen gepackt und los geht’s. In der Klinik angekommen wurde ich auch schon vorbereitet. Um 10 war der Termin im OP. Bis dahin waren aber noch gut 2 Stunden also hieß es solange CTG schreiben. Aber auch hier schien die kleine keine Anstalten zu machen. Fröhlich munter dreht sie im Bauch ihre Runden. Dann endlich ich wurde in den OP geschoben wurde umgebettet und war direkt am Zittern ohne Ende. Ich hab aber nicht gezittert aus Angst - Nein - stellt euch vor es ist Winter und es sind -12 Grad draußen und im OP ist es, gefühlt, kein bisschen Wärmer. Naja also versuchte ich mich, so gut es eben ging, zu konzentrieren. Irgendwann meinte der Arzt es könnte jetzt ein wenig Pieken. Ja, von einem Pieks hab ich nichts gemerkt. Keine zwei Minuten später, fingen meine Füße an warm zu werden. Zumindest war das ein Gefühl, in Wirklichkeit wurden sie Taub. Eine Schwester besprühte meine Schulter immer mal wieder mit kaltem Wasser. Wenn ich kein Gefühl mehr für die Kälte haben sollte könnte man Beginnen. Während ich da also so lag mein Puls und Herzschlag beobachtete, wartete mein Freund im Nebenraum voller Ungeduld. Die Minuten vergingen wie Stunden und er drehte runden um den Tisch der in der Mitte des Raumes stand. Als endlich die Tür aufging wurde ihm Mulmig. Er wurde zu mir in den OP gebracht und durfte sich neben meinem Kopf hinsetzten. Ich bekam noch die Sauerstoffmaske auf und schon ging es los. Die Ärzte hantierten und ich unterhielt mich mit meinem Freund. Dann wurde ohne Vorwarnung auf meine Rippen gedrückt. Es füllte sich an als wenn von oben nach unten geschoben wurde.
Dann kurze Zeit später ein Schrei… sie ist da. Sie wurde uns kurz gezeigt und dann schnell warm eingewickelt. Danach durfte sie, während ich zugenäht wurde, wieder zu uns. Mein Freund nahm sie voller Stolz entgegen und betrachtet sie. Er konnte sich nicht satt sehen und vergaß sogar mich. Eine Schwester vermerkte dann das die Mama die Kleine auch gern haben wollen würde. Mein Freund war aber so in Gedanken, dass er diese Aussage nicht einmal wahrnahm. Die Schwester tippte mein Freund an und wiederholte ihren Satz. Dann wurde sie mir auf die Brust gelegt. Ohne es zu erwarten öffnete sie in dem Moment ihr Augen und, es mag blöd klingen, ich meine da ein kleines Lächeln vernommen zu haben. Geschlagene 45 Minuten verblieben wir so dann wurde mein Freund und die kleine zur U1 abgeholt. Ich wurde wieder umgebettet und zurück in den Kreissaal zu „meiner Familie“ geschoben.
Dort wurde dann das erst Foto von Ihr bzw. uns gemacht. Ich schwöre ich weiß nun was liebe auf den ersten Blick ist. Weitere 2 Stunden verbrachten wir gemeinsam bis ich dann auf die Wochenbettstation verlegt wurde. Und dann hieß es erst mal Abschied nehmen. Unser Engel musste, da sie ihre Temperatur nicht halten konnte, zum Aufwärmen ins „Kinderzimmer“. Nach quälenden Stunden wurde sie uns dann endlich wieder gebracht. Von dort an waren wir dann quasi 24 Stunden zusammen. Die Zeit in Krankenhaus habe ich regelrecht genossen und viel mit der Kleinen gekuschelt selbst nachts. Da ich meinen Laptop dabei hatte, konnte mein Freund auch nach der Besuchszeit bei uns sein. Nach 4 Tagen wurde ich dann Entlassen. Eine neue aufregende Zeit begann. Wir waren von nun an eine Familie. Ein toller Gedanke.
Natürlich nochmal die Geburtsdaten:
Name: Maya-Axelle Hannemann
Geschlecht: weiblich
Geboren: 10. Dezember 2010 um 10:38Uhr
Gewicht: 2785gramm
Größe: 49cm
Kopfumfang: 35cm
Mittlerweile ist unser Smilie, wie wir sie nennen, 7 Monate alt und entwickelt sich super. Was anfangs als schwer bezeichnet wurde, meistern wir heute mit Links. Mütterlicher Instinkt!
Natürlich soll noch ein Geschwisterchen für Maya folgen und mal sehen, vielleicht geht es ja schneller als man „Baby“ sagen kann :)
Sollte es der Fall sein das Maya ein Geschwisterchen bekommt, werdet ihr wieder durch einen oder mehreren Artikeln auf den laufenden gehalten.
Und natürlich dürft ihr gern im Forum darüber Diskutieren oder euch bei Fragen an mich wenden!
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